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Geschrieben von Ute-Maria Graupner
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Montag, 28. Januar 2008 |
Meditation oder ein Leben in Gelassenheit sind die beste Gesundheitsfürsorge
Medizin im Sprachgebrauch Der Begriff Medizin leitet sich vom lateinischen Ursprung ars medicina ab. Im Duden findet man darunter das Verb meditari. Es bedeutet geistig (er)messen, nachdenken, Rat geben... Neben der Fakultätsbezeichnung für Heilkunst wird das Wort Medizin für einen Genesungsvorgang verwendet. Z.B. wurde einst auch die Bettruhe als Medizin bezeichnet. Aktuell höre ich immer wieder Aussagen, wie Yoga oder Joggen, der Gang in die Sauna ist Medizin für mich.
Das Wort Medizin assoziierte zumindest noch in der Generation meiner Großmutter jede Art von Heilung oder Gesunderhaltung. Allerdings kann man in der gegenwärtigen Alltagssprache beobachten, dass mit dem Wort Medizin eher Bewertungen verbunden sind, die eine Konsumorientierung und die Benutzung von bestimmten Materialien deutlich machen. Betrachten wir die Definition von Medizin, der Yogis, Jogger, Saunagänger oder der meiner Großmutter, kann man Gemeinsamkeiten in der Wirkung feststellen.
Yogis, Jogger, Saunagänger... sorgen über ihre Bewegungsmedizin oder über dem Wechsel von Temperatureinflüssen auf den Körper für eine Grundlage an biochemischen Botenstoffen, die ihnen Wohlbefinden und Entspannung ermöglichen. Gleichzeitig wird damit die Tätigkeit des Immunsystems unterstützt. Das ließe sich ebenso durch Bettruhe oder Meditation herstellen. Sowohl in jenen Aktivitäten, meist in der Natur, als auch während einer Bett- oder Meditationsruhe, wird der Organismus in eine Reizarmut versetzt. Aus der Stressbewältigung ist bekannt, dass dadurch die aktuelle Sinneswahrnehmung intensiver wird. Diese Verstärkung der Sinneswahrnehmung findet über einem anderen Weg auch in der Sauna statt.
Wechsel wirkend vermindert der Betreffende seine Gedankentätigkeit in dem Moment, da er sich der Erfahrung seiner Sinneseindrücke hingibt. Meist empfindet er diese Wechselwirkung als eine automatische Reaktion, da sie im Körper so angelegt ist. Ruhe im Geist bedeutet Entspannung und Stärkung des Immunsystems, welches die Aufgabe der Heilung im Körper hat. Betrachten wir die Definition von meditari, so spiegelt sie sowohl das Thema Ratsuche beim Arzt als auch die Möglichkeit sich selbst in seinem Tun zu ermessen wieder. In einer entspannten Situation, wie nach einer Meditation kann sich ein Mensch seinen inneren Themen und Fragen zuwenden, sie ermessen und für sich selbst einen Rat entwickeln.
Voraussetzungen im Organismus Natürlich werden Sie einwenden, dass es selbst bei einer alltäglichen Krankheit von Sorge und Gedankentätigkeit geplagte Bettlägerige gibt, bei denen dieser Mechanismus offensichtlich nicht greift, ganz abgesehen von Patienten mit starken Schmerzen. Gerade bei einem leicht Erkrankten kann man erkennen, dass der Organismus häufig zu sehr damit vertraut ist in dem aktivierenden Part seines Autonomen Nervensystems zu agieren. Die Umschaltung auf Untätigkeit fällt schwer und stattdessen wird der Geist (mit Sorgen) beschäftigt.
Es bedarf bisweilen der Unterstützung von außen, die angeborene Möglichkeit des Autonomen Nervensystems zu nutzen, um den Schalthebel in Richtung Entspannung und Gedankenreduzierung zu legen. Unsere Gesellschaft bezieht ihre Leistungsorientierung über die permanente Mobilisierung jener Steuerung im Vegetativum, die ursprünglich zur Leben rettenden Fluchtreaktion drängte. Heute stellt dieser Überlebensmechanismus das Bedürfnis etwas erreichen zu wollen und sich mit der Zukunft zu beschäftigen zur Verfügung. Es gibt ständig Signale, die zu Konsum auffordern. Der moderne Mensch ist von einer Reizfülle, die den Sinnesapparat belasten umgeben und den Organismus zur Fluchtreaktion aufrufen. Das schnelle Bewerten einer Situation ist notwendig, um leistungsfähig zu sein und verhindert den Verzicht auf Gedankentätigkeit. Es besteht eine kollektive Annahme, dass ein (Wirtschafts-)Wachstum an eine permanente Leistungsbereitschaft und an eine dauerhafte Orientierung an die Zukunft gebunden ist. Darüber wird der Organismus angeregt, seine Gedanken stets tätig zu halten und einem Drang nachzugehen, eine Entspannung im Augenblick zu verhindern. Die im Organismus angelegte Voraussetzung zur Regeneration und zu einer gelassenen Lebensführung, in der eine Bettruhe, eine Ruhe im Geist nach sich ziehen würde, wird sozusagen nicht eingeübt.
Notwendige bestätigende Signale für Gelassenheit, der Gedankenberuhigung und einer Entfaltung der Sinnswahrnehmung (ohne Bindung an Materialien, wie z.B. attraktives Essen, wunderbare Düfte und Dekorgegenstände,) werden vernachlässigt. Es sei denn ein Individuum erkennt sein gestresstes Dasein, leidet unter einer Stresskrankheit und unterzieht sich einer Gegenmaßnahme. In Kursen mit ruhig ausgeführten Bewegungen, Atemtechniken oder Entspannungsverfahren kann es lernen, wie Gedankenberuhigung sich für Gesundheit und Wohlbefinden auswirken und das Autonome Nervensystem so zu beeinflussen, dass es den Schalthebel in Richtung Gelassenheit legt.
Körperbewusstsein unterstützt Heilung Eine Möglichkeit den Part der Gelassenheit, in der Überschrift als Einfach-Sein bezeichnet, im Körpersystem verfügbar zu machen, ist Meditation. Im westlichen Kulturkreis kann für einen Menschen der Umgang mit Meditation, wie sie in asiatischen Traditionen geübt wird, eine Überforderung darstellen. Ein hier sozialisierter Organismus ist für den Zugang zu einer Gedanken-Leere nicht konditioniert, wie sie von asiatischen Meditationsschülern angestrebt wird. Aber die Vorraussetzung dazu kann u.a. über sog. Körpermeditation geschaffen und für Heilungsprozesse bei Herzkreislauferkrankungen, Beschwerden im Halteapparat und psychosomatischen Krankheiten genutzt werden.
Körpermeditation umfassen Techniken, wie Yoga- und Asia-Stretch-Kurse, Thai Chi, meditatives Walking, Joggen, Wandern oder spezielle Tanzangebote. In dieser Körperarbeit werden die Bewegungen des Teilnehmers von innen betrachtet und entsprechend seiner Wahrnehmung so ausgeführt, dass sie zu seinem Wohlbefinden und seiner Beruhigung im Geist beitragen. Der Ausführende betrachtet also das, was er da tut und erfasst die Wirkung seiner Bewegung. Der gewünschte Nebeneffekt ist, dass der Körper mit der Ausschüttung von Entspannungsbiochemie reagiert, an die die Fähigkeit zu einer Genesung gebunden ist. Dem Übenden wird nicht nur für seinen Körper, sondern auch für seine alltägliche Lebensführung Bewusstheit ermöglicht.
Diese Wirkung kann man auch durch Autogenes Training oder anderen mental orientierten Entspannungstechniken herstellen. Diese Techniken werden ebenfalls häufig im westlichen Kulturkreis als Meditation bezeichnet und können auch für Schwerkranke als Medizin genutzt werden.
Nicht nur mentale Entspannungstechniken, sondern auch Atemübungen stellen dem Ausführenden Bewusstheit für seine körperlichen Vorgänge und seine Lebensführung zur Verfügung. Durch bewusstes Atmen kann er die Wirkung auf seine inneren Körpervorgänge kennen lernen und aktiviert sein Autonomes Nervensystem in Richtung Regeneration und Heilung. Selbst ein Schwerkranker kann diese Methoden anwenden.
Betrachtung statt Gedanken In der Ursprungsform der Meditation wird auf eine Leere bezüglich der Gedanken und der Ich-Identifikation hingearbeitet. Der Buddhismus, in dem Meditation als religiöse Praxis betrieben wird, proklamiert Wohlbefinden durch die Reduzierung der Gedankentätigkeit. Das vermindert die Anstrengung sein Ego ständig zu erhalten. Meditationspraxis dort bedeutet die Impulse des Egos, wie Gedanken, Emotionen und auch körperliche Signale zu registrieren und ihnen keine weitere Aufmerksamkeit zu schenken, damit auch die Aufmerksamkeit für das Ego unterbrochen wird. Dadurch kann es nicht mehr Hilfe, Unwohlsein und Krankheit schreien oder auf seine Wichtigkeit hinweisen, die den Leistung anregenden Part im Autonomen Nervensystem weiter mobilisiert und den Genesungsprozess verhindert. Wie gesagt, wird rückwirkend bei allen Entspannungs- und Meditationsverfahren auch für den Regenerationsprozess im Körper und eine Stärkung des Immunsystems gesorgt und unterstützt damit den Genesungsvorgang. Das dadurch entwickelte Körperbewusstsein trägt zur Wahrnehmung jener Bedürfnisse des Organismus bei, die er für seine Heilungsarbeit benötigt. Auch in den westlichen Methoden, die im Bereich der Meditation anzusiedeln sind, lernt ein Meditierender zu betrachten, was im aktuellen Augenblick in seinem Inneren passiert. Er wird sich seiner inneren Vorgänge bewusst und kann sich von seinem Problem erzeugenden ICH (etwas) lösen. Körpertherapeutisch betrachtet legen sich Probleme als Verschleißerscheinungen und Krankheiten im Organismus nieder. Körperliche Beschwerden fördern den Ausbau des Egos durch Aufmerksamkeit für Krankheit und können unbewusst zu ihrer Aufrechterhaltung beitragen. Auf Grund dieser Wechselwirkung stellen Betrachtungsübungen, wie Meditation, das Gegenteil zu Ego- und Krankheitsförderung dar.
Wenn ein Meditierender wahrnimmt, dass sich in seinem Körper eine Veränderung vollzieht, z.B. die Atmung wird ruhiger, hat er in dem Moment der Betrachtung diese Veränderung hergestellt. Denn die dazu nötige Aufmerksamkeit für diese Körpererfahrung beinhaltet bereits die Veränderung im Autonomen Nervensystem. Man könnte sagen, bewusste Betrachtung ist bereits Veränderung, obwohl Betrachtung ein absichtsloser Vorgang ist. Und darin liegt die Schwierigkeit für den westlich sozialisierten Menschen, der ständig von seiner Lebensumgebung dazu beeinflusst wird, eine Absicht, z.B. in Form einer Leistung oder einer Bewertung, zu verfolgen. Das Paradoxon heißt, sich mit der Absicht in Meditation zu begeben, um gesund zu werden, um sich absichtslos zu betrachten.
Auch in einigen Formen der Schmerztherapie wird mit der Betrachtung der Schmerzen gearbeitet. Ist ein Mensch in der Lage, sich ohne seine Widerstandsemotionen ganz der Wahrnehmung des eigenen Schmerzes hinzugeben, kann er ihn sozusagen analysieren und damit entschärfen. Er kann seine konditionierten Emotionen wahrnehmen, die unmittelbar mit dem Schmerz verbunden sind und merken, dass sie den Schmerz meist vergrößern. Gelingt eine intensive Betrachtung wird der Schmerz zur Hitze, zur Kälte, zu Tönen, zu Farben, zu Bildern von lebendigen Impulsen, die sich in seinem Körper auftun. Parallel aktiviert der Organismus durch intensive Betrachtung seine Entspannungsfähigkeit, die wiederum eine Schmerz lösende Wirkung hat. In der Schmerztherapie kann man sehr deutlich erkennen, dass eine meditative Aufmerksamkeit bereits zu Veränderung der Befindlichkeit beiträgt. Und damit als Heilung und wie Medizin wirksam ist.
Ist diese Fähigkeit der Distanz zum eigenen Ego durch Achtsamkeit, wie die Buddhisten diese Art der Betrachtung nennen, einmal erlernt, kann von ihr im Alltag und bei Krankheit Gebrauch gemacht werden. Die Wirkung des eigenen Handelns für den Mitmenschen wird gleichermaßen bewusst, so wie auch der buddhistischen Begriff, der Achtsamkeit, den Umgang mit anderen mit einschließt. Die durch Meditation gelernte Achtsamkeit unterstützt die Möglichkeit ungesunde Einflüsse zu erkennen, krank machende Einwirkungen zu betrachten, statt sie durch Beurteilung als Bedrohung zu verstärken. Sie trägt dazu bei, dass die sozialen Kontakte in Achtsamkeit gepflegt werden und damit zu liebvollen Umgang, zu Wohlbefinden und Unterstützung der Heilung führen.
Der Zusammenhang innerhalb der lateinischen Wortfamilie medicina, meditari und Meditation ist offensichtlich. Betrachten wir Meditation in diesem Kontext können wir auch auf das Fragezeichen im Titel verzichten.
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